Regenwald
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Durch die Regenwälder von Surinam

Stationen: Kayser-Airstrip, Apetina, Rosevelt Peak, Alalapadu, Rudi Kappel Airstrip am Tafelberg, Amatopo am Courantyne-River, Pelelu-Tepu und Nieuw-Jacobkondre

Das im Nordosten Südamerikas gelegene Surinam (oder Suriname, ehemals Niederländisch-Guayana) gilt hierzulande nicht gerade als touristisches Traumziel. Reisende erwartet dort tropischer Regenwald, der ca. 90% der Landesfläche bedeckt und zu einem großen Teil unter Naturschutz steht. Insofern kommen hier eher Naturliebhaber auf ihre Kosten. Im Norden, insbesondere im Küstenbereich, ist jedoch von einer natürlichen Ursprünglichkeit fast nichts mehr übrig. Sehe ich von teilweise kompletter industrieller Zerstörung oder Verschandelung großzügig ab, handelt es sich bei diesem Landesteil um eine Kulturlandschaft. Interessant für mich wird es erst weit abseits der Küstenlinie im Landesinneren. Kleine, isoliert liegende Dörfer können dort als Ausgangspunkt für Erkundungstouren durch die artenreiche Flora und Fauna dienen. Nebenbei lernt man etwas über die Trio- und/oder Wayana-Ureinwohner. Auch die Kolonialvergangenheit lässt sich angesichts zahlreicher Nachkommen ehemaliger Sklaven aus Afrika nicht ausblenden, vor allem im Norden des Landes.

Das vorherrschende Landschaftsbild abseits der Küstenlinie im Landesinneren: Grün in allen Schattierungen. Fotografiert aus einem Kleinflugzeug, dem Hauptverkehrsmittel. Das Fluss-Gewässer heißt Rechter Coppename River, Blickrichtung Norden ➔ 4°00'49.2"N 56°28'00.2"W


Die einfachste und schnellste Möglichkeit, um von Deutschland nach Surinam zu gelangen, ist ein Flug via Amsterdam mit KLM oder Surinam Airways nach Paramaribo, der Hauptstadt. Touristen brauchen kein Visum. Eine Einreisegebühr von 25 EUR wird verlangt, die vorab über VFS Global bezahlt werden kann. Der internationale Flughafen von Surinam befindet sich mehr als 40 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Paramaribo. Un-Praktischerweise liegt aber der Regionalflughafen Zorg en Hoop, von dem es weitergehen sollte, direkt in Paramaribo. Vom Flughafen fuhr ich also zunächst in die Hauptstadt mit einer Art „Sammeltaxi“, in dem eigentlich nur Einheimische saßen, die mit dem gleichen Flieger angekommen waren. Die Fahrzeit bis ins Stadtzentrum dauerte ca. 1 Stunde. Dort empfing mich, wie vereinbart, mein Reisepartner, der zuvor unseren gemeinsamen Weiterflug in den Urwald organisierte. Mit einer Blue Wing Airlines-Cessna ging es direkt nach Kayserberg-Airstrip, einer Gras-Landepiste und ein paar Hütten mitten im Dschungel. Während des 1,5 Stunden dauernden Fluges befand sich nur ein geschlossenes grünes Baumkronendach unter uns. Mittlerweile war es Abend und ich hatte nach der insgesamt 22-stündigen Reise ein dringendes Schlafbedürfnis.

Am nächsten Morgen ging es weiter ca. 25 km Richtung Süden in einer 2-stündigen Bootsfahrt auf dem Zuid-River zu einem direkt am Fluss gelegenen biologischen Forschungs-Camp, wo wir einige Tage inmitten der Wildnis verbrachten. Für die Zeit danach wurde ganz bewusst kein fester Reiseplan gemacht. Uns war klar, dass es schwierig sein kann, sich in Ländern spontan zu bewegen, welche zu über 93% aus Urwald bestehen und der öffentliche Verkehr primär mit kleinen Flugzeugen bestritten wird. Bekannt war, dass die isoliert liegenden Urwald-Dörfer, zumindest die auf der Landkarte verzeichneten, durchschnittlich 1x pro Woche von irgendwoher angeflogen werden. Je nach Maschine werden die 3-10 Sitzplätze dabei oft nur für Frachtzwecke benutzt und zugebaut. Genau hier besteht immer etwas Flexibilität, wenn Personen mitgenommen werden wollen oder müssen. Kürzere Distanzen werden mit Booten zurückgelegt.

So sind wir also zunächst vom Camp mit dem Boot zurück nach Kayserberg-Airstrip und haben dort 2 Tage verbracht. Es ergab sich dann, wie beschrieben, die Möglichkeit, nach Apetina mitgenommen zu werden. Auf diese Weise ging es dann weiter kreuz und quer durchs Land mit unterschiedlicher Verweildauer u.a. in Kayser-Airstrip, Alalapadu, Rudi Kappel Airstrip (am Tafelberg), Amatopo, Pelelu-Tepu und Nieuw-Jacobkondre.

Hier noch der Hinweis auf meinen Beitrag zur ➔ Fliegerei in Surinam mit weiteren Luftaufnahmen.

Der Tafelberg in Zentral-Surinam

Der Tafelberg ist ein ca. 1000 m hohes Hochplateau im Zentrum von Surinam, im Distrikt Sipaliwini. Er stellt, neben dem Regenwald selbst, die eigentliche touristische Hauptattraktion in dem Land dar. Seine nahezu senkrecht verlaufenden, steilen Wände ragen 200 bis 500 Meter aus der Umgebung heraus. Die Fläche des Plateaus beträgt ungefähr 8 x 10 km. Entwässert wird sie von unzähligen kleinen Wasserfällen, wovon die größten und bekanntesten im Nordwesten liegen (Augustus-, Geijskes- oder Lisa-Falls). An den Rändern haben sie Fallhöhen von 100 bis 200 m. Der Berg ist Teil des größten Naturschutzgebiets in Surinam, dem “Centraal Suriname Natuurreservaat".

Der Tafelberg ist die einzige Roraima-Sandsteinformation in Surinam. Es besteht aber eine direkte geologische Verwandtschaft zu den wesentlich bekannteren, bis nahezu 3000 m hohen Tafelbergen, der Gran Sabana im Westen des Berglands von Guayana, am nördlichen Rand des Amazonasbeckens, im Grenzgebiet zwischen Venezuela, Guyana und Brasilien (Nationalpark Canaima in Venezuela).

Das Klima auf dem Plateau ist relativ kühl, regnerisch und windig. Wegen der starken Zerklüftung kann die Sonne nur mittags in den Schluchten durchdringen. Das sorgt für eine spezielle, jedoch relativ artenarme Fauna. Dafür ist aber die Vegetation um so interessanter und abwechslungsreicher. Man findet neben Savannenbusch vor allem viele Clusias-Arten, Moose, Farne, Orchideen und feine dünne, grasartige Bambusarten, Palmengewächse und Lianen dagegen kaum. Befindet man sich direkt im bzw. auf dem Gelände vom Tafelberg, ist es unmöglich, seine Dimension überhaupt nur ansatzweise zu erfassen, von einzelnen Aussichtspunkten abgesehen. Der vorherrschende Eindruck ist dichter Regenwald. Aus der Luftperspektive ergibt sich ein komplett anderes Bild.

Zugangsmöglichkeiten gibt es im Osten über die East Ridge und im Nordwesten (North Ridge), ein Labyrinth aus engen feuchten Schluchten. Dorthin existieren keine beschilderten Wanderwege. Ohne ortskundige Führung hat man kaum eine Chance. Wer sich die Mühe des Aufstiegs machen möchte, muss zunächst mit dem Kleinflugzeug zum Rudi Kappel Airstrip fliegen und dann mit entsprechendem Zeitaufwand weiter zu Fuß. Die meisten Touristen tun das aber nicht. Sie buchen dafür Rundflüge im Helikopter oder Kleinflugzeug. Am Flugplatz gibt es sehr einfache Gästeunterkünfte. Man kann sich also theoretisch mehrere Tage Zeit lassen, um die Gegend mit ihrer Natur zu erkunden.

Im Oktober 1968 kollidierte eine niederländische Douglas DC-3 mit dem Tafelberg, der von einer Wolkenschicht verhüllt war. Ihre Wrackteile liegen an der Absturzstelle auf dem Plateau noch heute. Sie wurde als Gedenkstätte deklariert und kann besichtigt werden.

Während des 1,5-stündigen Flugs von Paramaribo nach Kayser-Airstrip grün in allen Schattierungen.

Die wahren Dimensionen dieser großen Tafelberg-Formation inmitten der Regenwald-Landschaft sind nur aus der Luft erfassbar.

Ausblick vom Tafelberg in Richtung Südwesten. Im Hintergrund sieht man die Berge des ca. 30 km entfernten Wilhelmina-Gebirges.

Direkt am Rudi Kappel Airstrip, dem Tafelberg-Flugplatz, gibt es Unterkunftsmöglichkeiten für Gäste.

Vom Rosevelt Peak (710 m) rinnt Quellwasser herunter

Zur sportlichen Aktivität laden die Stromschnellen des Courantyne-River bei Amatopo ein.

Vorbeiflug an den Lisa-Falls im Nordwesten

Augustus-Falls

Im Verbindungs- und Versorgungsboot zwischen Kayser-Airstrip und dem Forschungscamp am Zuid-River.

Anflug auf den Rudi Kappel Airstrip. Im diesigen nördlichen Hintergrund deuten sich die Tafelberg-Umrisse an.

Das Wrack einer 1968 verunglückten niederländischen Douglas DC-3. Aluminium-Material verrottet nicht.

Anflug auf das Wayana-Indianerdorf Apetina am Tapanahony-Fluss.

In Nieuw Jacobkondre am Saramacca-Fluss. Wer hier im Norden des Landes strandet, wird schnell feststellen, dass die natürliche Umgebung im Vergleich zum Süden wesentlich stärker verändert wurde.

Ein Empfangskomitee direkt am Flugplatz von Pelelu Tepu

Folklore liebende Touristen, werden für kurze Zeit nach Pelelu Tepu eingeflogen, um sich diese vollkommen unrealistische Indianer-Show anzuschauen.

Gästeunterkunft in Apetina mit allgegenwärtigen Riesenspinnen. Offenbar lieben sie menschliche Ansiedlungen.

Papageien als Haustiere sind häufig, wie hier in Pelelu Tepu. Sie können frei herumfliegen, bleiben aber treu, vergleichbar mit einem Hund.

Teil der inszenierten Tiriyo-Indianer-Show für Touristen im Dorf Pelelu Tepu